Internationale Konferenz zu zivilem Ungehorsam und kollektivem Regelverstoß * 27.01.2012 bis 29.01.2012 in der TU Dresden, Hörsaalzentrum, Dresden* ReferentInnen aus über zehn Ländern
Aktionen des zivilen Ungehorsams haben weltweit Konjunktur: In Kairo, Madrid, Athen, New York, Frankfurt … überall gehen Menschen auf die Straße. Die Zelte und Platzbesetzungen, die Blockaden und Flashmobs zeigen unmissverständlich, dass eine neue globale Generation von Ungehorsamen, Empörten und Wutbürger_innen entstanden ist. Gegen Prekarisierung, Perspektivlosigkeit und erstarrte Autoritäten entsteht die Forderung nach direkter Demokratie und Partizipation an politischen Entscheidungen.
Gegen die Untätigkeit der Landesregierung ist es in Dresden seit 2010 gelungen durch Massenblockaden den alljährlichen „Trauermarsch“ von Neonazis zu verhindern. In Stuttgart führte ein in der Bevölkerung umstrittenes Bahnbauvorhaben tausende Menschen zusammen. Last but not least wird im Wendland seit 30 Jahren ziviler Ungehorsam geprobt, gegen die Errichtung eines Atommüllendlagers in Gorleben.
Trotz der unterschiedlichen zugrunde liegenden lokalen und politischen Konflikte, aus denen heraus Akte des zivilen Ungehorsams entstehen, eint diese Proteste doch eines: Die bewusste kollektive Regelübertretung von Vielen im Sinne eines Wunsches nach politischer Veränderung und dem Recht auf demokratischen Meinungsstreit und Mitbestimmung.
Auf dem Kongress in der TU Dresden wollen wir – pünktlich zum Jahrestag der Tahrir-Platzbesetzung in Kairo und, mit Blick auf den Dresdener Nazi-Aufmarsch, zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – auf insgesamt fünf Podien, in zahlreichen Vorträgen, Workshops und World-Cafes Möglichkeiten zum internationalen Austausch und zur Vernetzung bieten.
Zudem wird es viel Platz für kontroverse Debatten und Diskussionen zu Geschichte, Theorie und Perspektiven Zivilen Ungehorsams geben. Wir werden diskutieren, wie kollektive Regelübertritte bei Gipfelmobilisierungen, antirassistischen und queerfeministischen Aktionen, antifaschistischen Aktionen, bei Umweltpolitik und sozialen Protesten Anwendung finden. Wir werden uns – insbesondere am Beispiel von Dresden – auch mit den politischen Gegenstrategien von Konservativen in Justiz und Politik beschäftigen.
Referent_innen aus über zehn Ländern werden von ihren Erfahrungen bei der Parlamentsbesetzung von Wisconsin, den Protesten auf dem Tahrir Platz, den Anti-Nazi-Protesten in Dresden oder Occupy Wall Street und vielen weiteren Aktionen berichten.
Wir freuen uns auf Eure Teilnahme!
Programm: (Stand 20.12.11)
Auf dem Kongress möchten wir verschiedene Angebote und Diskussionsformen miteinander kombinieren. Es erwarten euch Podiumsveranstaltungen, Workshops, Vorträge und eine durchgängige Vorstellung verschiedener internationaler Aktionen Zivilen Ungehorsams in Rahmen derer unsere Gäste und ReferentInnen zur Diskussion einladen.
In extra eingerichteten Info- und Meetingareas bietet sich Raum zum Kennenlernen, zum Austausch und natürlich zur gemeinsamen Diskussion. Wenn ihr euch mit einem Infotisch o.ä. beteiligen wollt wendet euch gerne an [email protected].
Freitag, 27.01. 20 Uhr
anderer Ort: Staatsschauspiel Dresden, Kleines Haus 1, Glacisstraße 28, 01099 Dresden
Eingangsstatements internationaler AktivistInnen:
- Ola Shaba, youth for justice and freedom (Kairo)
- Camila Vallejo, Federación de Estudiantes de la Universidad de Chile (FECh/ Chile)
- N.N., Occupy Wall Street (New York)
Podiumsdiskussion: „Politische Kultur und Perspektive von Zivilem Ungehorsam“
- Frank Bsirske, Vorsitzender Ver.di (angefragt)
- Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Bündnis 90/ DIE GRÜNEN (angefragt)
- Tadzio Müller, Aktivist
- Deltef Sittel, Ordnungsbürgermeister der Stadt Dresden (angefragt)
- Moderation: Heike Kleffner, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Samstag, 28.01.2012
Ort: Hörsaalzentrum Technische Universität Dresden
9:30 Uhr, Eröffnung: Keynote von Prof. Alex Demirovic (TU Berlin)
Podiumsdiskussionen:
10 - 12 Uhr: Internationale und historische Perspektive auf Zivilen Ungehorsam
- Roland Roth, FH Magdeburg
- Camila Vallejo, Santiago/Chile
- Ola Shaba, Kairo/ Ägypten
- Alexis Passadakis, Attac
- Moderation: Mona Brick (angefragt)
15:30 - 17:30 Uhr: Theorie und Praxis
- Thomas Seibert, Philosoph & Wissenschaftler / Interventionistische Linke
- Andrea Pabst, Universität Oldenburg (angefragt)
- Alex Demirovic, TU Berlin
- Magarita Tsomuo, Journalistin und Künstlerin
Vorträge:
- Thomas Seibert, Philosoph & Wissenschaftler / Interventionistische Linke:
„Demokratietheoretische Grundlagen des Zivilen Ungehorsams“ - transact!:
„Ziviler Ungehorsam im Kontext antirassistischer Kämpfe an den Grenzen der Festung Europas“ - Ola Shaba, youth for justice and freedom (Kairo):
„Ziviler Ungehorsam als Mittel im ‘Arabischen Frühling’
Workshops:
- Andrea Pabst, Universität Oldenburg:
„Zum Begriff des Zivilen Ungehorsams“ - Eva von Redecker, Humboldt Universität Berlin:
„Queerfeministische Perspektiven auf Zivilen Ungehorsam“ - Matt Kearney, University of Wisonsin:
„Gesellschaftlicher Vermittlung von Aktionen Zivilen Ungehorsams“
Ganztägig:
Aktionen Zivilen Ungehorsams. Internationale Aktivist_innen stellen vor und laden ein zur Diskussion.
U.a. Gäste aus: Polen, Südafrika, USA, Italien, Frankreich, Deutschland, Ägypten und Griechenland
Sonntag, 29.01.2012
Ort: Hörsaalzentrum Technische Universität Dresden
Eröffnung 10:30 Uhr
Podiumsdiskussion:
14.30 – 16.30 Uhr: „Legitime Aktionen vs. illegitime Repression“
- Bodo Ramelow, MdL DIE LINKE
- Prof. Rosemarie Will, Humanistische Union
- N.N., VertreterIn Komitee für Grundrechte und Demokratie (angefragt)
Workshops:
- Matthias Monroy, Gipfelsoli:
„Internationale Perspektive auf Repression und Zivilen Ungehorsam“ - N.N., Republikanischer Anwältinnen- und Anwaltsverein RAV (angefragt):
„juristisch-praktische Grundlagen von Aktionen Zivilen Ungehorsans“
Vorträge:
- Constanze Kurz, Chaos Computer Club:
„Digitale Repression und Ziviler Ungehorsam im Netz“
Nachfragen und Angebote können gerne jederzeit an [email protected] gestellt werden.
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